Barefoot Truth – „Manchmal tragen wir Schnurrbärte“
von Matthias Doden
Barefoot Truth, die fünfköpfige Indieband aus Mystic, Connecticut, die Anfang 2010 ihr fünftes Studioalbum mit dem Titel Threads veröffentlicht haben, besteht aus William Evans (vocals/guitar/drums), John Jay Driscoll (vocals/guitar/percussions), Andy Wrba (double bass/bass guitar), Garrett Duffy (harmonica) und John „Wayno“ Waynelovich (keyboard).
Die Bedeutung des Bandnamens, sagt Evans, liegt darin, dass man sich stets auf der Suche nach der absoluten Wahrheit befinden sollte und die Umwelt mit all ihren Elementen so sehr genießen sollte wie es geht.
In den Jahren 2008 und 2009 erweiterten sich Barefoot Truth noch um ein sechstes Bandmitglied: Pete Francis (ehemals Dispatch).
„Pete und wir arbeiteten mit dem selben Produzenten zusammen. Auch auf Tour haben sich unsere Wege einige Male gekreuzt, sodass eine gemeinsame Tour irgendwann einfach Sinn machte“, erklärt Evans diese Kollaboration.
Der Umstand, dass die Band Dispatch zu den größten Einflüssen Barefoot Truths zählt, kam sicherlich auch noch dazu.
Mit Francis nahm die Band auch die 2009 erschienene EP Wake the Mountain auf, auf welcher man unter anderem ein Cover des Bob Dylan Songs Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn) findet.
Das im Februar erschienene Threads umschreibt William Evans als „bunte Mischung unterschiedlichster Stilrichtungen – so wie wir es am liebsten haben“.
Bei dem Album Threads handelt es sich um ein typisches Album der Band, da es die rhythmischen Elemente sowie die Klänge akustischer Gitarren der vorangegangenen Alben wieder aufgreift. Dennoch sieht Evans eine klare Weiterentwicklung im Vergleich zum Debutalbum, welche er vor allem am Songwriting festmacht.
Das neue Album umfasst 13 Songs, darunter auch Roots of Stone, welcher der Band selbst am besten gefällt.
Bei diesem Stück geht es darum zusammen zu halten und Veränderungen möglich zu machen, womöglich ist Roots of Stone aus diesem Grund das favorisierte Stück der Band.
Zumindest sieht Evans die Aufgabe eines Musikers darin, den verfügbaren Einfluss zu nutzen, um positive Veränderungen hervorzurufen und für Frieden und Freiheit einzutreten.
Gleichzeitig sagt Evans aber auch, dass wir alle die Möglichkeit haben um eben solche positiven Veränderungen in dieser Welt hervorzurufen: „Selbst die kleinsten Handlungen zählen“.
Der Titelsong Threads beginnt sehr jazzig und ruhig, dann nach der ersten Hälfte des Songs gibt es einen Break und der Sound wandelt sich vom Jazz zum Reggae. Dieser unerwartete Stilwechsel innerhalb eines Stückes verdeutlicht ungemein, was Evans meint, wenn er sagt, seine Band habe einen musikalischen Reifungsprozess durchlebt und sich seit dem letzten Album stark weiterentwickelt. Der Song handelt von persönlicher Verantwortung gegenüber seiner Umwelt und gegenüber anderen Menschen.
Vergleicht man die Motive, derer sich die Band auf Threads bedient mit denen auf dem 2006 erschienenen Album Changes in the Weather, fällt einem schnell auch die Weiterentwicklung im Songwriting auf.
So heißt es zum Beispiel im Refrain des Songs Cinimin’ Summer vom Debut:
„I’m feelin free, feelin fine cause it’s summer time / Drinkin’ sippin’ clothes are rippin’ skinny dippin’ in the moonlight / Mind your p’s and q’s be sure you don’t abuse / The priveledges that were given to you / And the night ain’t through until the sun is risin’ up again“
Auf Threads verabschieden sich Barefoot Truth dann endgültig vom College-Band-Image und wendet sich auch ernsteren Themen zu: „The damage done smoke fills the sky / mother earth’s looking down through a blackened eye / well the wind keep coming it’ll blow right through the dawn / the damage done the damage done“ lautet der Refrain des Songs Damage Done vom aktuellen Album.
Die Band wurde von der US-Zeitung The Villanovan 2009 als „Die beste Band von der ihr wahrscheinlich nie etwas gehört habt“ bezeichnet und trotzdem oder gerade deshalb wird Barefoot Truth weder auf kommerziellen Radiosendern, noch auf Mtv gespielt. Mit Threads erreichten sie dennoch Platz 21 der iTunes Rock Charts und ließen damit The Fray oder die Dave Matthews Band hinter sich.
Wie es für die Band zu einem solchen Erfolg kommen konnte, erklärt sich William Evans folgendermaßen: „Mund-zu-Mund-Propaganda. Ohne ein Plattenlabel im Hintergrund, dass für die Promotion bezahlt, können wir nur darauf bauen, dass die Untergrundbewegung unsere Musik auf natürliche Art und Weise neuen Hörern zukommen lässt“, also durch kopieren und weitergeben.
Deshalb hat Evans auch kein Problem mit dem „illegalen“ downloaden seiner Songs, solange es dazu beiträgt die Musik von Barefoot Truth unter die Leute zu bringen.
Aus diesem Grund wundert es auch nicht, dass die Band viele Songs als gratis-downloads anbietet.
Aber der Erfolg von Barefoot Truth ist nicht nur auf die Grass-Roots-Bewegung der Fans oder auf die Download-Politik der Band begründet, sondern vor allem auch auf harte Arbeit und hier an erster Stelle auf stetiges touren durch kleine Clubs zurückzuführen: bis Ende Oktober 2010 werden Barefoot Truth noch 22 Konzerte entlang der amerikanischen Ostküste geben.
Der Workaholic William Evans wird zusätzlich zu der Tour mit Barefoot Truth die Band The Sweet Remains vom 9. bis zum 17. September auf acht Konzerten in Europa begleiten, eins davon auch in Deutschland (14.09. im BeLaMi in Bergendorf, HH).
Wenn eine Band so ausdauernd unterwegs ist, gibt es mit Sicherheit viele denkwürdige Eindrücke und Ereignisse. Humorvoll und bodenständig antwortet Evans auf die Frage nach seiner bemerkenswertesten Erfahrung: „Manchmal tragen wir Schnurrbärte…“
Weiterführende Links:
www.barefoottruth.com
www.myspace.com/barefoottruth
www.freebft.com
www.thesweetremains.com