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Interview mit Alan Canfora

Am 4. Mai 1970 wurden während einer Anti-Kriegs-Demonstration an der Universität von Ohio 4 junge Demonstranten von der Nationalgarde erschossen und 9 wurden zum Teil schwer verletzt.

Einer der Verletzten ist Alan Canfora, der sich seit nunmehr 40 Jahren um die Aufklärung dieses Massakers bemüht.

Die Ereignisse von 1970 werden unter anderem in Neil Youngs Song Ohio behandelt.

stereoMAG: Alan, kannst du uns etwas über deine Geschichte und was du heute machst erzählen?

Alan Canfora: Ich bin seitdem ich 1968 an der Kent State University anfing ein anti-faschistischer/anti-Republikanischer politischer Aktivist.

Heute bin ich zu dem noch Vorsitzender der Demokratischen Partei in meiner Heimatstadt Barbertin, Ohio und Direktor vom Kent May 4 Center in Kent, Ohio.

stereoMAG: In welchem Verhältnis standst du zu den anderen Opfern vom 5. Mai 1970?

Alan: Wir sind wie eine große Familie, die sich seit 1970 dazu verschworen hat, den Mord an Studenten in Kent State aufzuklären.

stereoMAG: Es gibt ein Foto von dir, auf dem du eine schwarze Flagge hältst. Kannst du uns dazu etwas erzählen?

Alan: Ich hab diese schwarze Flagge am morgen des 4. Mai 1970 gemacht.

Ungefähr eine Stunde bevor ich während einer Anti-Kriegs-Demonstration angeschossen wurde.

Die Flagge symbolisierte die Wut und die Verzweiflung, die ich nur wenige Tage nach der Beerdigung eines Freundes, der im Vietnam-Krieg starb, empfand.

stereoMAG: Was ist dein absoluter Lieblingssong?

Alan: Das ist für mich immer noch 1983 von Jimmy Hendrix.

stereoMAG: Kannst du dich an das erste Mal erinnern, als du einen Song über Kent State gehört hast? Welcher Song war das und wie hast du dich dabei gefühlt?

Ohio von Crosby, Stills, Nash & Young war der erste Song nach dem Massaker.

Es war gleichzeitig sehr aufregend und inspirierend.

stereoMAG: Hast du schonmal Neil Young getroffen und mit ihm über den Song Ohio sprechen können?

Alan: Ich habe Neil Young 1969 zusammen mit meinem Mitbewohner Tom Grace in Cleveland getroffen.

Das war in einem kleinen Club während Neils erster Tour mit Crazy Horse.

Wir haben uns nach dem Konzert backstage mit Neil unterhalten.

Ein Jahr später wurden wir beide angeschossen und Neil hat den Song Ohio geschrieben,

stereoMAG: Bist du der Ansicht, dass sich das System seit 1970 verändert hat?

Alan: Amerika ist wieder zerrissen von Hass und Unstimmigkeiten. Ich befürchte, dass soetwas wie in Kent State erneut auftreten könnte: Bürger töten Mitbürger aufgrund von politischen Differenzen.

Ich hoffe aber, dass ich mich irre.

stereoMAG: Glaubst du, dass Musik die Menschen verändern kann?

Alan: Ja, wie in den 60ern und 70ern kann Musik im politischen Sinne Aufmerksamkeit erregen und Aktionismus anregen.

Es ist wieder an der Zeit für eine solche Inspiration.

stereoMAG: Welche aktuellen Bands magst du? Gibt es Bands die dir dabei helfen, deine Arbeit aufrecht zu erhalten?

Alan: Momentan bevorzuge ich besonders schnelle und laute Rockmusik, besonders Streetpunk Bands mit politischen Songs wie The Casualties, The Unseen, Anti-Flag und ähnliche Bands.

Außerdem Outernational, Time Again, Rage Against the Machine und die deutsche Band TOMORROW.

stereoMAG: Welche Art von Feedback bekommst du heute von Studenten der KSU?

Alan: Üblicherweise gemischte Reaktionen bezüglich der Meinungsfreiheit in einer “Demokratie”.

Es gibt seit den frühen 60er Jahren stets eine aktive Studentenbewegung an der Kent State University, die bis heute anhält. Glücklicherweise!

stereoMAG: Eine Frage an dich von Sharon van Etten: Welcher ist dein Lieblingsfilm mit Christian Slater?

Alan: True Romance.

stereoMAG: Hast du eine Frage an unseren nächsten Interviewpartner?

Alan: Erinnert ihr euch an die antifaschistische Widerstandsbewegung deutscher Studenten im dritten Reich – die Weiße Rose? Werdet ihr die Tradition dieser mutigen Jugendlichen aufrechterhalten?

stereoMAG: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast!

-Die Antwort auf Alans Frage könnt ihr HIER erfahren-

von Matthias Doden