Interview mit Calling All Crows
In der Vergangenheit wurde in unseren Berichten und Interviews häufiger die Organisation Calling All Crows genannt.
Aus diesem Grund haben wir uns nun um ein Interview mit Matt Wilhelm, dem Co-Executive Director dieser Organisation, bemüht.
stereoMAG: Matt, kannst du uns erzählen, worum es bei Calling All Crows geht?
Matt Wilhelm: Die Organisation Calling All Crows, welche von Chad Stokes (State Radio, Dispatch) und seiner Tourmanagerin Sybil Gallagher gegründet wurde, ist eine NGO (Non-Governmental Organisation), die dem Zweck dient, Musiker und ihre Fans zu mobilisieren um Frauen auf aller Welt durch gemeinsame Aktionen zu stärken.
Seit der Gründung am 10. Dezember 2008 (am 60sten Jahrestag der Deklaration der Menschenrechte) hat CaC mehr als 200.000 $ gesammelt und über 10.000 Stunden gemeinnütziger Arbeit in lokalen Gemeinden geleistet.
Für mich war es eine wahre Ehre und ein Privileg seit dem ersten Tag bei CaC mitzuarbeiten.
stereoMAG: Wohin geht das Geld, das ihr mit CaC einnehmt?
Matt: Die Einnahmen von CaC sind dazu da um die Arbeit von Musikern und Fans zu unterstützen, die, in der Regel auf Tour mit einem unserer Künstler, mit Service-Projekten die Rechte der Frauen stärken.
Service-Projekte sind zum Beispiel Kochen für schwangere burmesische Flüchtlinge in Buffalo, humanitäres Fundraising durch unseren jährlichen Northampton Halloween 5K, oder das Stellen von Anwaltskosten zur Unterstützung des International Violence Against Women Act.
Wir involvieren unsere Unterstützer auf viele verschiedene Weisen, damit Frauen um den ganzen Globus ihr persönliches und kollektives Potenzial kennen lernen.
Es geht also über unsere große jährliche Spende an Oxfam hinaus, die vielen, die mit unserer Arbeit vertraut sind, bekannt ist.
stereoMAG: Warum übst du einen solchen Beruf aus?
Matt: Es gibt einige großartige NGOs in den Vereinigten Staaten, die wirklich beeindruckende Arbeit in dem Bereich Musik und soziale Veränderungen leisten, HeadCount und Reverb zum Beispiel.
Mein Hauptaugenmerk liegt darauf, CaC dabei zu helfen, dass sich mehr Fans für die gute Sache engagieren, besonders bei Service Events, die vor den entsprechenden Konzerten stattfinden.
Es ist aufregend zu sehen, wie sich unsere Arbeit entwickelt, aber es kann manchmal auch sehr herausfordernd sein, zum Beispiel wenn wir in Bereiche gehen, in denen CaC bislang noch nicht tätig gewesen ist (wie in Deutschland im Mai 2010)…
Wir hatten Projekte, bei denen nur zwei oder drei Fans aufgetaucht sind um uns zu unterstützen.
Aber in solchen Momenten denke ich mir, wenn Engagement einfacher wäre, würde es ja jeder machen.
Ich hoffe, dass eines Tages Musik-Touren nicht mehr nur daran gemessen werden, wie viele Tickets verkauft wurden oder wie viel Geld eingenommen wurden, sondern auch an der Art des positiven Eindrucks, den Künstler und Fans gemeinsam auf die jeweilige Stadt hatten, in der gespielt wurde.
Das ist sicher idealistisch, aber man muss wissen in welcher Richtung sein Ziel liegt.
stereoMAG: Spielst du ein Instrument?
Matt: Nee, das überlasse ich lieber den Experten.
stereoMAG: Welche Platte hast du zuletzt gekauft?
Matt: Sigh No More von Mumford & Sons.
stereoMAG: Kannst du dir einen Punkt vorstellen, an dem du sagst: „Na gut, wir haben erreicht, was wir erreichen wollten. Nun hören wir auf“?
Matt: Nein. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist eine der größten globalen Herausforderungen unserer Generation… Und, leider, möglicherweise auch für die nachkommenden Generationen.
Da gibt es sowohl lokal, national als auch global eine Menge zu tun.
Und wenn wir dieses Problem gelöst hätten, denke ich, würde das Hauptaugenmerk von CaC weiterhin bei den Menschenrechten liegen.
stereoMAG: Mit welchen Bands und welchen Musikern arbeitet CaC bereits?
Matt: Wir haben gerade die Chad Stokes & Friends Tour abgeschlossen.
Das war wirklich ein vielseitiger Mix von Künstlern die aus allen Teilen der Vereinigten Staaten kommen.
Mit dabei waren Matt Embree (RX Bandits), seine Schwester Lauren Coleman (Pebaluna), Malaena Cadiz, sowie The White Buffalo und Bonnie Paine (Elephant Revival), welche beide kürzlich auf Chad und Sybils neuem Plattenlabel Ruff Shod Records unter Vertrag genommen wurden.
In Boston wurde die Tour zudem noch von Chads ehemaligem Bandkollegen Brad Corrigan (Dispatch) unterstützt, was das Publikum sicherlich sehr für 2011 angeheizt hat (Dispatch Reunion, wir berichteten)…
stereoMAG: Gibt es noch Bands, die ihr gerne für euer Projekt gewinnen würdet?
Matt: Ich denke, wir sind sehr zufrieden, dass wir auf die Art wachsen wie wir es momentan tun.
Wenn ich darüber nachdenke, wie viel wir in nur zwei Jahren erreicht haben, ist das schon unglaublich.
Die Fans sind wirklich das Rückgrat dieser Organisation und ich habe das Gefühl, dass sie auch weiterhin die Dinge wahr machen werden, für die wir arbeiten.
Also in Bezug auf Bands, mit denen wir gerne arbeiten würden…
Ich würde sagen, jede Band und jeder Künstler mit einer motivierten und engagierten Fanbase ist willkommen.
Wir würden es schön finden sie mit den Aktivisten mit denen wir bereits zusammenarbeiten zu verknüpfen und die CaC-Bewegung wachsen zu lassen.
stereoMAG: Denkst du, dass Musik die Kraft hat die Gedankenwelt der Menschen zu verändern?
Matt: Ich glaube, Musik ermutigt die Menschen dazu, die Welt von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten, als sie es sonst machen.
stereoMAG: Gibt es einen Song, der dir bei deiner Arbeit hilft?
Matt: Bei uns ist das ziemlich einzigartig, denn wir haben geradezu eine eigene Hymne für unsere Arbeit (Calling All Crows von State Radio).
Ich persönlich fühle mich aber noch motivierter, wenn ich die Dave Matthews Band höre.
Das versetzt mich immer zurück in die Zeit, als ich zur High School ging oder an den Anfang meiner College-Jahre, als ich begann darüber nachzudenken, wie Musik und soziale Veränderungen vielleicht auf einander aufbauen könnten.
stereoMAG: Was können wir hier in Deutschland machen, um CaC zu unterstützen?
Matt: Wir haben gerade die Kampagne “Bringing Change to Women” in den Vereinigten Staaten und in Kanada ins Leben gerufen. Es wäre wunderbar, wenn sich unsere Freunde in Deutschland mit einbringen würden. Mehr Infos bekommt ihr unter http://callingallcrows.org/bringing-change-to-women/ oder ihr schreibt eine E-Mail an change@callingallcrows.org
stereoMAG: Eine Frage an dich von Alan Canfora: Erinnerst ihr euch an die antifaschistische Widerstandsbewegung deutscher Studenten im dritten Reich – die Weiße Rose? Werdet ihr die Tradition dieser mutigen Jugendlichen aufrecht erhalten?
Matt: Dabei handelt sich um die drei Studenten, die in den 40er Jahren verhaftet wurden, richtig? Ich denke, das waren sehr engagierte Menschen.
stereoMAG: Hast du eine Frage an unseren nächsten Interviewpartner?
Matt: Was erhoffst du dir für das neue Jahr 2011?
stereoMAG: Danke für das Interview.
Die Antwort auf Matts Frage könnt ihr HIER nachlesen.
von Matthias Doden
