Interview mit Mike Najarian (State Radio/Ratfynkt)

Mike „Maddog“ Najarian ist seit 2006 der Schlagzeuger der US-Band State Radio.
Ende September 2009 erschien das aktuelle Album Let It Go unter dem Label Ruff Shod.

Nebenbei spielt der 29 jährige noch in der Band Ratfynkt, mit welcher er in diesem Herbst das erste Album mit dem Titel Populate herausbringen wird.
State Radio diesen Sommer auf Tour:

19. August 2010 – Open Air Gampel Festival (CH)
21. August 2010 – Highfield Festival (D)
22. August 2010 – Area4 Festival (D)
25. August 2010 – Chiemsee Rocks Festival (D)
28. August 2010 – Rock am See Festival (D)

Matthias: Mike, wie bist du zur Musik gekommen und wo siehst du deine musikalischen Vorbilder?

Mike: Zur Musik gekommen bin ich in der fünften Klasse als wir in unserer Grundschule ein Musikinstrument lernen mussten. Damals war ich 11 Jahre alt und ich entschied mich für das Schlagzeug.
Kurze Zeit später kam der Boom der Grunge-Szene in Seattle und ich verliebte mich in Bands wie Nirvana, Alice in Chains, Soundgarden, Pearl Jam oder Tool. Bands und Drummer, die ich auch heute noch bewundere.

Matthias: Wenn du die Möglichkeit hättest mit einem Musiker deiner Wahl zu spielen, wer wäre das?

Mike: Lebender Musiker wäre definitiv Dave Grohl, einer der größten Einflüsse auf die Art und Weise wie ich Schlagzeug und Gitarre spiele. An zweiter Stelle steht Danny Carey von Tool, der coolste Drummer, der der Welt bekannt ist.
Außerdem würde ich meinen linken Arm geben um für Kurt Cobain Schlagzeug spielen zu dürfen. Ein weiterer bereits verstorbener Musiker, mit dem ich gerne spielen würde, wäre Layne Staley (Alice in Chains). Der Typ hatte eine einfach unglaubliche Stimme.

Matthias: 2006 hast du Brian Sayers als Schlagzeuger bei State Radio abgelöst. Wie hast du deine Bandkollegen kennen gelernt und wie war es das erste Mal mit ihnen zu spielen?

Mike: Ich traf Chad während ich zusammen mit Straßenmusikern vorm Fenway Park, wo das Boston Red Sox Baseballteam spielt, auf Eimern spielte. Er war auf der Suche nach einem Schlagzeuger und fragte mich, ob ich es versuchen wollte.
Das erste Mal mit Chuck und Chad zu spielen war großartig. Ich hatte vorher noch nie Reggae oder Ska gespielt, also war das auf jeden Fall eine Herausforderung.

Matthias: Mit State Radio tourst du ja ziemlich viel, was bevorzugst du dabei? Kleine Clubs, große Hallen oder Auftritte auf Festivals?

Mike: Ich denke das hängt vom Publikum ab. Während unserer letzten Tour in Deutschland waren die kleinen Clubs einfach unglaublich, denn das Publikum war so energiegeladen. So was hab ich vorher noch nie erlebt. Ehrlich gesagt, egal ob nun Festivals, große Hallen oder kleine Clubs, Deutschland hat das beste, energiegeladenste Publikum der Welt! Ihr könnt stolz auf euch sein!

Matthias: Welche Stadt in Deutschland hat dir bislang am besten gefallen und warum?

Mike: Mir gefällt Berlin sehr, wegen den ganzen geschichtlichen Dingen, die man mit der Stadt verbinden kann. Es ist eine coole Stadt zum Rumhängen.
Heidelberg hat mir auch sehr gefallen, aber wegen seiner Schönheit. Und es war sehr romantisch da (ich war mit meiner Freundin da).
Und nicht zu vergessen die Reeperbahn in Hamburg, das ist einfach ein klasse Platz für eine Band um nach der Show noch etwas zu feiern…

Matthias: State Radio spielt diesen Sommer auf fünf europäischen Festivals. Was erwartest du und was können Fans und andere Festivalbesucher von euch erwarten?

Mike: Ich kann bei diesen Festivals leider nicht dabei sein, was total schade ist. Christoph (Schneider) von Ghost of Tom Joad wird mich am Schlagzeug vertreten. Ich muss auf die Hochzeit von zwei meiner besten Freunde hier in Boston. Ich war derjenige, der die beiden zusammengebracht und muss halt bei der Hochzeit dabei sein. Aber ihr dürft mit einem tollen Stil-Mix, guter Energie und einem Wahnsinns-Publikum rechnen. Deutsche Festivals sind die besten der Welt.

Matthias: Du wurdest ja auch schon auf der letzten Deutschland-Tour von Christoph vertreten. Warum habt ihr ihn ausgewählt?

Mike: Nun, wir wurden auf der 2008er Deutschland-Tour von Ghost of Tom Joad supportet. Christoph ist ein super Typ und ein grandioser Schlagzeuger und es ist unglaublich wie schnell er die State Radio Songs gelernt hat und wie gut er dieses Jahr im Mai gespielt hat. Und wenn ihr ihn diesen Monat auf einem der Festivals seht, dann geht mal für mich hin und klopft ihm für mich auf die Schulter.

Matthias: State Radio ist so was wie eine Do-It-Yourself-Band, zum Beispiel reist ihr ohne Roadies wenn ihr durch Europa tourt. Was für Reaktionen bekommt ihr dazu von Veranstaltern oder Fans?

Mike: Die meisten Leute sind überrascht, wenn sie sehen wie wenig Gepäck wir dabei haben und wie unorganisiert wir rüberkommen (lacht). Die Wahrheit ist aber, dass sich die Musikindustrie verändert. Major Labels sterben aus und es ist einfach leichter, die Menschen über das Internet zu erreichen und eine unabhängige Band zu sein. So langsam fangen die Leute an zu verstehen warum wir die Dinge so angehen wie wir es machen.

Matthias: Welche Bands hörst du wenn du mit der Band on the road bist?

Mike: Gute Frage. Ich steh ja mehr auf Alternative-Rock. Ich höre viel Deftones, System of a Down, Slipknot, Nirvana oder Alice in Chains. Ich brauch meine Dröhnung, besonders weil State Radio nur selten so hart spielt.

Matthias: Auf eurer letzten Tour in Deutschland habt ihr die Organisation 1GOAL unterstützt. Kannst du uns etwas darüber erzählen und warum hast du dich entschieden diese Organisation zu unterstützen?

Mike: Also, ehrlich gesagt habe ich die erst auf dem Gig in Berlin kennengelernt. Ich glaube die haben unser deutsches Management gefragt ob sie einen Stand im Maschinenhaus aufbauen dürfen, so funktionieren diese Dinge in der Regel.
1GOAL ist eine Organisation mit einem Ziel: Bildung für jeden Menschen auf der Welt. Und das ist auf jeden Fall ein Konzept hinter dem ich stehe.
Außerdem haben wir auf der Tour noch mit Green Peace zusammengearbeitet und arbeiten generell mit vielen Non-Profit Organisationen zusammen (wenn ihr auch mal einen Stand auf einem unserer Konzerte haben wollt, schickt eine E-Mail an unser Management).
Wir selber haben auch eine Non-Profit Organisation gegründet: Calling All Crows

Matthias: Neben State Radio spielst du auch in der Band Ratfynkt. Kannst du uns etwas über die Band und deine Rolle darin erzählen?

Mike: Oh ja, Ratfynkt. Ratfynkt ist eine Alternative-Rock Band aus Boston, Massachusetts. Wir klingen ziemlich ähnlich wie die Grunge Bands der 90er. So wie Alice in Chains oder Nirvana.
Ich spiele hauptsächlich Gitarre und singe, aber bei einigen Songs spiele ich auch Schlagzeug. Die meisten Songs sind von mir im Laufe der letzten Jahre geschrieben worden.
Momentan arbeiten wir an unserem ersten Album, welches wir diesen Herbst veröffentlichen wollen.
Das Album wird den Titel Populate bekommen und wir werden es zum freien Download bereitstellen wenn es fertig ist. Also guckt ab und zu auf unserer myspace-Seite vorbei um zu sehen, wann das Album kommt und wie ihr umsonst an unsere Musik kommen könnt.

Matthias: Für das Album habt ihr unter anderem die Songs “Urgency” und “Fate“ aufgenommen. Erzähl uns mal worum es da geht.

Mike: Bei Urgency geht es um die Globale Erwärmung. Da sind zwei Leute, die sich streiten ob die Menschen Schuld an der globalen Erwärmung sind. Der eine sagt, dass wir der Hauptfaktor sind, der andere ist der Meinung, dass das ganze ein natürlicher Prozess ist.
Der Song hat genau diesen Grunge-Sound von dem ich vorher schon sprach und ich denke er repräsentiert den Ratfynkt-Sound ziemlich gut
Und Fate handelt davon die Dinge nicht so zu akzeptieren wie sie sind, sondern sein Schicksal selber in die Hand zu nehmen. Das war übrigens der erste Song den ich je geschrieben habe. Im Studio haben wir ihn akustisch aufgenommen, aber Live spielen wir ihn elektrisch.

Matthias: Was steckt hinter dem Bandnamen?

Mike: Also ein Ratfink ist im Grunde ein Informant, ein Spion mit den Eigenschaften eines Verräters. Wie auch immer, der Name kommt eigentlich von einem Kindheitsfreund den wir Rat nannten und welcher ein begnadeter Skateboarder war.
Wann immer the Rat sich einen Scherz mit dir erlaubte, sagten wir: „You just got Ratfinked“.
Die Schreibweise änderte sich dann zu Ratfynkt und wir fingen an das Wort zu benutzen um etwas unerwartetes und schlechtes das jemandem passierte zu umschreiben.
Eigentlich heißt es reingelegt werden.

Matthias: Wo ist für dich der Unterschied in der Arbeit mit Chad Stokes und Chuck Fay von State Radio oder mit Dom Locapo, Chris DeLisle, Steve DiRamio & Joe Forte von Ratfynkt?

Mike: Also ich war schon in der Schule mit Chris und Steve befreundet und Joe und Dom wurden in der Highschool gute Freunde von mir. Also sind unsere Proben, das Songwriting und die Shows eher gemeinschaftlich und relaxt, weil wir eben schon so lange Zeit Freunde sind. Das ist eher so als würde man mit Kumpeln rumhängen.
Auch wenn Chad und Chuck meine Freunde geworden sind, ist das schon eher eine Arbeitsbeziehung. Im Grunde ist es das Geschäftsmodell Band mit Chad an der Spitze, wenn es ums Songwriting geht. Obwohl Chuck und ich dabei helfen die Ideen in ein fertiges Produkt umzuwandeln.
Das sind zwei absolut unterschiedliche Erfahrungen.

Matthias: Abschließend noch eine persönliche Frage: Wo siehst du dich wenn du 50 Jahre alt bist?

Mike: Das ist eine schwere Frage. Ich denke ich hoffe einfach dann glücklich und gesund zu sein und zu genießen was immer ich dann machen werde. Ich hoffe dann eine Familie zu haben und diese auch ernähren zu können. Und auf jeden Fall werde ich nie aufhören Musik zu machen.

Danke für das Interview und danke an alle, die sich die Zeit genommen haben das hier tatsächlich bis zum Ende zu lesen!

Weiterführende Links:
www.stateradio.com
www.myspace.com/stateradio
www.myspace.com/ratfynkt
www.callingallcrows.org

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