Interview mit Sharon v. Etten
Ferienlager, illegale Downloads, Vinyl und Lady Gaga – vier Schlagworte aus unserem Interview mit der aus Brooklyn stammenden Musikerin Sharon van Etten.
Am 5.Oktober erschien ihr neues Album Epic auf Ba Da Bing Records.
stereoMAG: Sharon, wie bist du zur Musik gekommen?
Sharon van Etten: Meine Eltern haben mich immer ermutigt. Ich nahm Unterricht für das Piano, für die Geige, für die Klarinette und war im Chor.
Später habe ich an Musicals und Madrigalen teilgenommen.
Das Songwriting habe ich aber erst viel später angefangen.
stereoMAG: Gibt es ein Instrument, dass du gerne lernen würdest?
Sharon: Piano oder Pedal-Steel-Gitarre.
stereoMAG: Wo siehst du deine Einflüsse?
Sharon: Meine Freunde sind meine Einflüsse.
Mich beeinflusst alles was ich höre. Sogar Filme beeinflussen mich.
Meine liebsten Autoren (Musik, Film und Literatur) sind Diane Cluck, Jana Hunter, Meg Baird, Woody Allen, Wes Anderson, Noah Baumbach, E.E. Cummings, Richard Brautigan und Ray Bradbury.
stereoMAG: Wie würdest du deinen Stil bezeichnen?
Sharon: Emotionalen, ehrlichen Folk-Rock? (…das ist ne schwierige Frage!)
stereoMAG: Wen würdest du bevorzugen? Lady Gaga oder Ani DiFranco?
Sharon: Beide sind hier und da sehr innovativ.
stereoMAG: Was ist für dich das Beste daran, Musikerin zu sein?
Sharon: Für mich ist das etwas sehr reinigendes. Es ist für mich die beste Art mit Menschen zu kommunizieren, meine Gefühle auszudrücken und hoffentlich auch Menschen zu helfen.
stereoMAG: Und was ist das Schwierigste?
Sharon: Sich sozusagen zu entblößen. Man kann sich sehr verletzlich fühlen. Manchmal habe ich Angst, selbstsüchtig zu sein und in Wirklichkeit niemandem zu helfen.
stereoMAG: Du hast mal einen Auftritt mit Jeff Mangum (Neutral Milk Hotel) gehabt. Wie war das so? Und worum ging es bei der Show?
Sharon: Chris Knox, ein Freund von Jeff und der Held vieler Menschen, hatte im vergangen Jahr eine Serie von Schlaganfällen und die Therapie und die Behandlung war sehr kostspielig.
Ben Goldberg (der Besitzer von Ba Da Bing Records in Brooklyn) hat ein Benefizkonzert organisiert und alle Freunde von Chris waren dabei (Jeff, Yo La Tengo, Claudia Gonson, Kyp Malone, The Clean und viele mehr). Wir konnten 40.000$ für ihn einspielen.
Eine sehr schöne Nacht. Danke auch an Le Poisson Rogue, dass ihr es möglich gemacht habt!
stereoMAG: Aus wie vielen Songs kannst du für ein Konzert auswählen?
Sharon: Ich habe mehr als 30 Songs, aber für gewöhnlich spiele ich so um die zehn pro Auftritt.
stereoMAG: Hast du schon mal in Deutschland gespielt?
Sharon: Ich hab in Deutschland mal den Support für die Great Lake Swimmers gegeben.
Ich hoffe, nächstes Jahr mal wieder zu kommen.
Also Daumen drücken!
stereoMAG: Bevorzugst du CD, Vinyl oder Digitale Musik?
Sharon: Mir gefällt das Unmittelbare des Digitalen…
Aber eines der Dinge, die ich am liebsten mache, ist, mit Freunden und Wein im Wohnzimmer zu sitzen und Platten zu hören – jeder bringt sein neuestes Lieblingsalbum mit und du hörst dir das GANZE TEIL an.
Ich wünschte, ich könnte das viel öfter machen.
stereoMAG: Was war das letzte Album, das du gekauft hast? Und welches hast du zuletzt runtergeladen?
Sharon: Zola Jesus auf Vinyl und Ora Cogan hab ich runtergeladen.
stereoMAG: Wie stehst du zu illegalen Downloads?
Sharon: Ich bin da hin und her gerissen. Ich weiß, dass es Leuten hilft und theoretisch sollten wegen den illegalen Downloads auch die Verkaufszahlen steigen… aber ich persönlich bin kein Freund davon.
Wenn in Blogs kostenlose Singles angeboten werden, ist das in Ordnung… aber es macht mich traurig, wenn online Links zu kompletten Alben auftauchen.
Musiker verdienen nicht viel Geld, niemand macht das, ich weiß…
Ich würde es besser finden, wenn mir jemand persönlich schreibt und mich nach einem Downloadlink fragt, als wenn ein Fremder das einfach verteilt. Soviel ist sicher.
Unterstützt einfach die Musiker, die ihr mögt, damit diese weiterhin Musik machen können.
Besucht ihre Konzerte. Besonders, wenn ihr ihre Musik klaut.
Lasst nicht zu, dass das Internet Musikliebhaber faul werden lässt.
stereoMAG: Du hast grade dein zweites Album, Epic, veröffentlicht. Welcher Song gefällt dir selbst am besten?
Sharon: Don’t Do It – weil es so reinigend und heilend ist, diesen Song zu singen.
stereoMAG: Wie lange hast du an dem Album gearbeitet?
`
Sharon: Zwei Wochen am Stück.
stereoMAG: Und gab es während der Aufnahmen irgendwelche besonderen Ereignisse?
Sharon: Ich hatte so viele Musiker zu meiner Verfügung! Es war wie ein musikalisches Ferienlager!
Meg Baird (von Espers), Jess und Andy (von She Keeps Bees), Cat Martino, Dave Hartley (von War on Drugs), Brian Cristinzio (BC Camplight), Brian McTear (Mazarin)…
Ich habe so viel Feedback zu den Songs bekommen, dass sich sogar meine eigene Sichtweise auf die Songs verändert hat.
Das beste gemeinschaftliche Erlebnis, das ich bisher hatte.
stereoMAG: Gibt es einen Künstler, der mal einen deiner Songs neu aufnehmen sollte?
Sharon: Ich wünschte mir, Gillian Welch würde Save Yourself covern. Dann würd ich weinen.
stereoMAG: Eine Frage an dich von Michael Lerner (Telekinesis): Kannst du Bauchrednern?
Sharon: Ja?
stereoMAG: Hast du eine Frage an unseren nächsten Interview-Partner?
Sharon: Welcher ist dein Lieblingsfilm mit Christian Slater?
stereoMAG: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast!
Sharon: Ich danke euch! Hoffentlich sehen wir uns mal und ich kann dir die Hand schütteln oder dich umarmen, wenn das nicht zu verrückt ist.
-Die Antwort auf Sharons Frage könnt ihr HIER erfahren-
weiterführende Links:
von Matthias Doden
