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Interview: William Fitzsimmons

Am 25.03.2011 erschien sein neues Album mit dem Titel Gold In The Shadow.
Trotz seiner US-Tour, um dieses Album zu promoten, hat William Fitzsimmons sich etwas Zeit genommen, um mit uns über Dunkelheit, Ängste und Psychologie zu sprechen – eben über alles was seine Musik ausmacht.

stereoMAG: William, als erstes würde ich gerne wissen, wo du gerade bist, und was du gerade eben gemacht hast.

Ich bin gerade mitten in der US-Tour für das neue Album und jetzt gerade in Pittsburgh, Pennsylvania, der Stadt meiner Jugend.

Ich habe grade meine Mutter besucht und bin dann mit ein paar Freunden ausgegangen, um ein paar Bier zu trinken. Obwohl, eigentlich ist es noch zu früh am Tag, als dass ich sagen sollte, dass ich gerade Bier getrunken habe. (lacht).

stereoMAG: Wann hast du angefangen, deinen Bart wachsen zu lassen?

Alle Männer der Fitzsimmons-Familie sind sehr bärtig, also wollte ich schon als Kind, so wie mein Vater und meine Onkel, auch einen Bart haben.
Ich glaube ich habe während meiner Uni-Zeit aufgehört mich zu rasieren und angefangen den Bart wachsen zu lassen.

stereoMAG: Wie viele Instrumente beherrschst du und gibt es eins, das du gerne spielen lernen würdest?

Ich weiß nicht genau, wahrscheinlich so um die 7 oder 8, aber mit der Gitarre habe ich in den letzten Jahren am meisten Zeit verbracht.

Ich bin ein großer Bewunderer von Holzblasinstrumenten, Flöte und Klarinette, und wollte die schon mein ganzes Leben gerne spielen können. Leider galt es in meiner Schule als selbstverständlich, dass die Jungs die Blechblasinstrumente und die Mädchen die Holzblasinstrumente lernten. Ich fand das immer ein wenig lächerlich.

Außerdem bin ich sehr verliebt in große Orgeln seit ich meinen Vater darauf spielen und sie reparieren sah, als ich jünger war. Dieses Instrument ist wundervoll, aber ein wenig einschüchternd für jemanden der eher dazu tendiert ruhige und zurückhaltende Musik zu mögen.

stereoMAG: Was ist dieser Tage deine Meinung über myspace?

Weißt du, wahrscheinlich wäre ich niemals gehört worden, wenn ich nicht vor einigen Jahren auf myspace entdeckt worden wäre. Ich habe durch diese Seite sogar einige sehr gute Musiker-Freunde kennengelernt.

Die Musik, die ich mache, lässt das wohl nicht vermuten, aber ich halte sehr viel von sozialen Netzwerken, da sie eine gute Möglichkeit darstellen, sich durch Musik und verschiedene Kunstformen, die ansonsten möglicherweise in anderen Regionen nicht auftauchen würden, zu verbinden.

Ich denke, meine Songs wären nie gehört worden ohne genau diese Sachen.

stereoMAG: Du verarbeitest viele persönliche Erfahrungen in deiner Musik. Ist das für dich etwas Heilendes oder gibt es auch Tage, an denen du den einen oder anderen Song nicht vor einem Publikum präsentieren kannst?

Das hängt tatsächlich von den Songs ab, die ich singe.

Ich glaube ein Künstler sollte immer authentisch mit den Worten umgehen, die er sagt. Wenn ich also über etwas Dunkles und Schwieriges singe, muss ich gewillt sein, mich in genau die Stimmung zurück zu versetzen, in der ich war, als ich den Song geschrieben habe.

Aus diesem Grund kann es zu dem Punkt kommen, an dem ich von den Songs sehr belastet bin. Aber ich habe mich entschieden über diese Dinge zu schreiben, also muss ich auch durch diese Gefühle gehen.

Wenn ich aber einen Song geschrieben habe und sehe, dass dieser Song einen Menschen sehr stark berührt, dann wird das für mich sehr heilend.

stereoMAG: Hast du Angst, dass eines Tages der Moment da ist, an dem du nichts mehr hast, worüber du schreiben kannst?

Ich glaube, jeder ehrliche Schreiber wird zugeben, dass ihm dieser Gedanke mindestens einmal durch den Kopf gegangen ist. Aber ich habe mir von dem Moment, als ich anfing Musik zu machen gesagt, dass ich nur solange Songs schreiben werde, wie ich auch etwas zu sagen habe.

Wenn dieser Moment kommen sollte, werde ich glücklich und dankbar sein für die Zeit, in der ich es konnte und werde sehen, welche Aufgaben vor mir liegen.

stereoMAG: Kannst du dir vorstellen irgendwann in deinen alten Job als Therapeut zurückzukehren?

Das kann ich und das ist auch etwas über das ich hin und wieder nachdenke.

Es gab Aspekte an dieser Arbeit, die ich absolut geliebt habe und andere Dinge, die ich überhaupt nicht vermisse.

Aber ich glaube einfach nicht an Zufälle, also denke ich, sollte ich mich jemals von der Musik entfernen und zurückkehren zur psychologischen Arbeit, dann ist das so.

stereoMAG: Gibt es einen Song, von dem du dir wünschst, ihn nicht aufgenommen zu haben?

Nun, wenn ein Songwriter einen großen Teil seiner Energie und Zeit auf eine konstante Entwicklung verwendet, wird er unweigerlich beginnen, einiges seiner früheren Werke in einem anderen (und öfter noch) kritischerem Licht sehen, als zu dem Zeitpunkt als er sie eigentlich geschrieben hat.

Aber in solchen Zeiten erinnere ich mich daran, dass da ein Grund war, warum ich diese Dinge zu diesem Zeitpunkt ausdrücken musste.

Und es gibt auch Songs, die für mich ihren reinigenden Zweck erfüllt haben, die aber gerade jetzt jemanden erreichen, der bereit ist, sie das erste Mal zu hören.

Es wäre also irreführend und engstirnig für mich, einen Teil meiner Arbeit zu bereuen. Mein Augenmerk liegt darauf, immer effektiver darin zu werden, mit Worten und Melodien zu kommunizieren und mich so tief wie ich kann in die Gedanken und Emotionen von mir selbst und anderen zu vergraben.

stereoMAG: Dein neues Album Gold In The Shadow ist gerade erschienen, welcher Song davon gefällt dir selbst am besten?

Auf jeden Fall bin ich auf das Album als Ganzes sehr stolz. Aber wenn ich einen Song aussuchen muss, nehme ich wohl Fade and then Return, da es ausgesprochen angenehm ist, diesen Song live zu performen.

Aber Lieblingssongs ändern sich bei mir auch mit der Zeit, wenn ich durch die Songs höre und sich beim Hören langsam die Struktur verändert und manchmal sogar die Bedeutung.

stereoMAG: Wenn du Gold In The Shadow mit deinen ersten drei Alben vergleichst, wo siehst du da Unterschiede?

Ich würde Gold jetzt nicht als „glückliches” Album bezeichnen, denn das ist es nicht. Aber ich würde sagen, es ist die hoffnungsvollste und optimistischste Gruppe von Songs, die ich je gemacht habe. Ich denke, es ist musikalisch und vom Arrangement viel farbiger, sie fühlen sich weniger monochromatisch an als die ersten paar Alben. Außerdem hat es nichts mit Scheidung zu tun, wie die ersten drei Alben.

stereoMAG: Kannst du uns etwas über die Arbeit an deinem neuen Album erzählen?

Ich hab das meiste in der sehr historischen Stadt Charleston, South Carolina, mit meinem Freund Jay Clifford und meinem Freund und Tourdrummer Josh Kaler gemacht.

Es war ein sehr offener, kollaborativer und zwangloser Prozess.

Beim letzten Album Sparrow and the Crow bin ich emotional an einem sehr dunklen Ort gewesen, als wir aufgenommen haben und die Erfahrungen waren deshalb sehr düster und ernst und ich wusste genau, wie jeder Song auf dem Album klingen sollte.

Bei Gold wollte ich, dass die Songs genau aus der gegenteiligen Erfahrung entstehen. Deshalb machten wir uns keine Regeln abgesehen davon den Songs dahin zu folgen wohin sie gehen wollten.

stereoMAG: Worum geht es in dem Song The Tide Pulls From the Moon?

Der Song ist tatsächlich der ausschlaggebende im Prozess der Entstehung des ganzen Albums gewesen. Ohne den glaube ich nicht, dass ich die Idee, ein ganzes Album über Psychopathologie und Krankheit zu produzieren, weiter verfolgt hätte.
Der Song handelt von der chaotischen Aufgabe mit Schwierigkeiten und Krankheiten sowie Schmerz umzugehen und davon, dass ich immer noch der Meinung bin, dass niemand von uns dies jemals bewältigt hat. Zumindest ich habe es noch nicht.

Damit meine ich zum Beispiel, warum meine Eltern behindert sind oder warum ich so viele psychologische Probleme hatte, mit denen ich kämpfen musste.

Dieses ist mein Versuch meinen Frust auszudrücken, den ich immer noch mit diesen Konzepten habe.

stereoMAG: Du bist diesen Sommer auf Tour in Deutschland. Gibt es eine Stadt, in der du besonders gerne spielst?

Ich weiß, es mag komisch klingen, aber ich habe wirklich jede Stadt in Deutschland, in der ich bislang gespielt habe, sehr genossen. Ich denke, es ist schwer mir eine Lieblingsstadt auszusuchen.

Aber sollte es eine deutsche Stadt geben, in der kein deutsches Bier ausgeschenkt wird… Die Stadt wäre auf jeden Fall auf meinem letzten Platz.

stereoMAG: Magst du lieber Festivals oder Clubs?

Nun, ich bin sehr froh, wann immer sich für mich eine Möglichkeit ergibt, mich durch Musik mit Menschen zu verbinden und beide von dir genannten Möglichkeiten bieten so eine Chance. Sie können unglaublich verschieden sein und für die Art Musik ,die ich mache sind Festivals, besonders die größeren, sehr viel herausfordernder wenn es darum geht, eine sehr große Gruppe Menschen zu fesseln.

Die Intimität einer Clubshow ist natürlich wundervoll. Ich liebe es, die Möglichkeit zu haben, die Reaktionen der Menschen auf meine Songs zu sehen und mit ihnen gemeinsam zu singen.

Aber meine Verantwortung als Künstler liegt darin, mich selbst darin herauszufordern immer besser zu werden und die Songs effektiv unter die Menschen zu bringen. Also ist es mir wichtig weiterhin beide Arten von Konzerten zu geben.

stereoMAG: Bevorzugst du digitale Musik, CD oder Vinyl?

Ehrlich gesagt kaufe ich Musik in allen drei Formen. Auf Tour ist das Digitale sehr von Vorteil und es ist toll, ein neues Album zu hören, ohne einen Plattenspieler mit in den Bus zu nehmen oder sowas.

Zu Hause greife ich aber für gewöhnlich zu Vinyl oder zur CD.

Ich liebe die Möglichkeit alle drei Varianten nutzen zu können, je nach Situation eben.

stereoMAG: Anna Aaron würde von dir gerne wissen: Welches Album aus dem Jahr deiner Geburt gefällt dir am besten?

In dem Jahr wurde ein paar geniale Alben veröffentlicht, aber der Favorit ist ganz klar Darkness on the Edge of Town von Springsteen. Ein klassisches Album, das heute noch genauso kraftvoll ist.

stereoMAG: Hast du eine Frage an unseren nächsten Interview-Partner?

Wenn du wählen müsstest, für den Rest deines Lebens entweder nur noch zu singen oder nur noch ein Instrument zu spielen, was würdest du wählen?

stereoMAG: Vielen Dank für das Interview.

Interview von Matthias Doden

vielen Dank an Tini, Nini & Meiki!