Newcomer . Mental Reservation
Im Mai präsentieren wir euch den Newcomer “Mental Reservation”. Kurz: erstklassiger Britrock aus Darmstadt. Hört und lest selbst:
Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?
Zum aktuellen Zeitpunkt haben wir uns für den Begriff „Acoustic Alternative BritRock“ entschieden. Hier vereint sich als Basis das, was unsere Musik ausmacht, nämlich Akustikgitarren, musikalische Einflüsse aus dem Alternative Rock und melancholische Klänge aus dem Brit-Pop. Die Bezeichnung „Brit-Rock“ wurde uns letztendlich von unseren Fans untergejubelt.
Nun, man muss es einfach mal gehört haben, um zu verstehen, was wir mit dieser Bezeichnung tatsächlich ausdrücken wollen.
Wie habt ihr zusammengefunden?
Björn und Christian kennen sich bereits aus den frühen 90ern. Beide teilten damals schon die Begeisterung am Schreiben von Songs auf den Akustikklampfen. So war es nahe liegend, dieses Faible in regelmäßigen Sessions gemeinsam auszuleben, obwohl beide zu dieser Zeit in anderen Bands zugange waren. Dieses kleine „geheime“ Projekt fand vorerst nie den Weg aus dem Fahrradkeller des damaligen Jugendhauses heraus. Erst viele Jahre später wurde ihnen das tatsächliche Potential bewusst, und „Mental Reservation“ gelangte endlich auf die Bühne. Roland lernten sie nach einem Auftritt in einem Musikklub kennen und konnten ihn umgehend am Bass gewinnen. Schließlich stieß Peer dazu, der ebenfalls kein Unbekannter in der Darmstädter Musikszene war, nachdem sie es bereits mit einigen anderen Schlagzeugern versucht hatten. Dieser gab der Band noch mal eine ganz neue erfrischende Richtung…
Wie schreibt ihr eure Songs?
Die Grundidee bei einem Großteil der Songs hat eigentlich Björn. Die entstehen meistens ganz urplötzlich beim Dudeln auf der Gitarre daheim, auf einer Fete am Lagerfeuer, dafür eher selten im Proberaum. Manchmal ist auch plötzlich mitten beim Herumschlendern in der Stadt eine Melodie, eine Gesangsidee, ein Thema, ein Titel oder ein Textfragment da, welches schnell irgendwo fest gehalten und später bei der nächsten Gelegenheit mit der Gitarre umgesetzt wird. Der Song bekommt dann seine eigentliche Struktur und das Gesamtbild in der Probe mit der ganzen Band, wobei es auch passieren kann, dass diese die anfängliche Idee erst einmal komplett in die Tonne treten und ganz neu aufsetzen. Mittlerweile kommt es eher seltener vor, dass ein Song so umgesetzt wird, wie er ursprünglich gedacht war.
Der finale Songtext wird meistens erst dann in Reinform gebracht, wenn das Stück komplett steht und alle begeistert sind.
Mit wem würdet ihr gern ein “Mental Reservation and Friends”-Album aufnehmen?
Mit Paul McCartney, denn über seine Kontakte könnten wir uns noch weitere großartige Musiker unter den Nagel reißen. Und er selbst ist immer noch ein großartiger Musiker, was er auf seinem Abschlusskonzert im Hyde Park bewiesen hat.
Mit Kate Bush, weil sie einfach die zeitlose Grand Dame der Musik bleibt und auch einen an der Waffel hat.
Mit Mother Tongue eine Live-Nummer aufnehmen, da sie als Liveband einfach eine Sensation sind.
Mit Dave Grohl, weil er offensichtlich der Musikerkumpel schlechthin ist und man anschließend mit ihm noch ein richtig schönes AfterShow-Feuerwerk auf der Release-Party abfeuern kann.
Mit Coldplay, weil sie unserem Musikstil vielleicht noch am allernächsten kommen.
Welchen Song hättet ihr gerne geschrieben?
Eigentlich haben wir bisher alle Songs geschrieben, die wir gerne hätten schreiben wollen.
Sicherlich gibt es aber auch einige Nummern, die man hätte schreiben wollen, um sie dann nie zu veröffentlichen und so der Welt da draußen zu ersparen.
Was sind momentan eure Lieblingslieder?
Ein explizites Lieblingslied haben wir eigentlich fast nie, vielmehr zählt immer das komplette Alben und finden diese dann als Ganzes genial – gestern chillt Björn bei Elliott Smith’s Soundtrack von „Good Will Hunting“, während Peer bei „Fiction Plane“ über den Otzberg rast, Roland sich von seiner letzten durchzechten Nacht bei „Snoop Doggy Dogg“ erholt, während Christian immer noch zur ersten „Mother Tongue“ Gitarre übt…
Wo spielt ihr am liebsten? zuhause oder vor fremden Publikum?
Natürlich haben beide Gruppen ihren ganz eigenen Reiz und gleichzeitig ihr Risiko.
Das heimische Publikum, welches einen bereits ziemlich gut kennt, springt zwar schneller auf die alt bekannten Hits an, aber es will auch immer wieder neu überzeugt, überrascht und bei Laune gehalten werden.
Ein fremdes Publikum wiederum muss immer neu gewonnen werden, wobei man sich hier ganz schnell eine wunderbar neutrale Einschätzung abholen kann, wie überzeugend man tatsächlich ist. Wir sind mit beiden Gruppen absolut happy – Hauptsache man kann hinterher nach Hause fahren und sagen: Jungs, das war wieder ein fetter Abend gewesen!
Wenn es tatsächlich mal nicht so sein sollte, müsste man eben noch einmal in sich gehen und den Gig analysieren oder den Abend verfluchen.
Gibt es Momente von Auftritten, an die ihr euch gerne erinnert?
Eigentlich hatte bisher jeder Auftritt sein ganz spezielles Highlight – sei es das Ambiente, ein faszinierendes Publikum, geniale Stimmung oder einfach die eigene grandiose Leistung.
Wir erinnern uns gerne an das Punk-Festival im Schwarzwald, bei dem wir seltsamerweise als Headliner auffahren sollten und trotz anfänglicher Bedenken den ganz Platz zum toben brachten. Unerwartete Gäste, wie Gerd Knebel (Badesalz), der sich mal vor einigen Jahren auf ein Konzert von uns verirrt hatte – leider haben ihn die Autogrammjäger so lange genervt, bis er sich davon machte.
Aber auch dieser ganz spezielle Club-Geheimtipp in Mannheim, in dem wir mal vor einigen Jahren gespielt haben, hat sich in unsere Erinnerung gebrannt. Der war so geheim, dass keiner etwas davon wusste, und wir im Endeffekt vor drei Leuten und Barkeeper ein so intensives und persönliches Konzert abgeliefert haben, dass wir anschließend fast doppelt so viele CDs wie Anwesende verkaufen konnten.
Es stehen uns hoffentlich noch einige legendäre Events bevor – es sieht aktuell zumindest so aus, dass der ganze Spaß erst richtig anfängt. Wenn ihr mal bitte auf unsere Homepage schaut…
Habt ihr irgendeine Frage an unseren nächsten Interview-Partner?
Wann löst ihr euch eigentlich endlich auf?
Fragen von letzten Interviewpartnern:
William Fitzsimmons: Wenn du wählen müsstest, für den Rest deines Lebens
entweder nur noch zu singen oder nur noch ein Instrument zu spielen, was würdest du wählen?
Singen! (Björn)
Singen! (Christian)
Singen! (Roland)
Saufen! (Peer)
Will Samson: Wenn du ein Tier sein könntest, welches wäre das, und wieso?
Ein Mistfink! (ohne Kommentar)
Wobei gerne auch eine Katze mit Ukulele! (auch ohne Kommentar)
